Traditionen sind wie Laternenpfähle 

    Am vergangenen Samstag, 23. August, wurde in Friedrichsdorf einem jahrhundertealten religiösen Kleindenkmal auf dem Friedhof ein würdiger Platz eingeräumt. Genauer gesagt: Ein Bildstock aus der Zeit vor der Reformation, steht dort wohl seit Jahrhunderten, allerdings führte er in den vergangenen Jahrzehnten ein Schattendasein. Jetzt wurde das Umfeld attraktiv gestaltet: Eine Rückwand aus Holz hebt den unscheinbaren Monolith hervor, eine Tafel informiert über die Geschichte. Mit einer Andacht und anschließender Feier wurde dem kleinen Denkmal die Aufmerksamkeit zuteil, die es verdient, denn es ist eines von nur zwei seiner Art im Umkreis Thüringens aus vorreformatorischer Zeit. 

    Bildstöcke sind im engeren Sinne Säulen oder Pfeiler mit bildlichen Darstellungen (Malerei oder Relief) oder einer Figur oder Figurengruppe, in der Regel aus Stein, bekrönt werden.* Sie sind in ihrer Funktion vergleichbar mit Wegkreuzen, laden ein zum Innehalten und zum Gebet oder Gedenken an die Toten. Der Friedrichsdorfer Bildstock ist Relikt eines verschwundenen (wüst gegangenen) Ortes: Rasdorf (auch als Rosdorf bezeichnet) – ein „Vorgängerort“ von Friedrichsdorf, etwas unterhalb gelegen. 1217 wurde es erstmalig erwähnt, wohl um 1450 verschwand es wieder. 

    Am Schaft des steinernen Bildstockes sind die Kanten abgefast, der obere Teil bildet eine rundbogenförmige Nische. Die Vermutung liegt nahe, dass sie als Einfassung für ein Heiligenbild diente oder auch nur eine symbolische Rahmung ist. 

    Dass der Bildstock als wahrer historischer Schatz nun wieder Aufmerksamkeit erfährt, ist Initiatoren aus dem Ort zu verdanken. So hat sich insbesondere Ewald Hesse darum verdient gemacht, unterstützt wurde er von Bruno Staudinger, der eine Metallkonstruktion für die Holzelemente der Rückwand schuf, ebenso Tischler und Bürgermeister René Heinemann, der die Wand entsprechend beplankte. Zurück geht die Gestaltung auf einen Entwurf des in Friedrichsdorf ansässigen Holzbildhauers Ulrich Minkus. 

    „Traditionen sind wie Laternenpfähle. Sie leuchten in der Dunkelheit, um Menschen den richtigen und sicheren Weg zu weisen. Nur Besoffene hängen sich daran auf.“, zitierte Pfarrer Johannes Preiß in seiner Ansprache eine Spruchkarte. Und tatsächlich sind Leute hier auf dem Friedhof von Friedrichsdorf zusammengekommen, nicht, um den alten Stein mit formelhaften Sprüchen, geheimen Ritualen oder schamanenhaften Tänzen zu ehren, sondern sich von diesem alten Stein wie von einer Laterne führen zu lassen, um den rechten Weg zu gehen“, führte er weiter aus: Dieser unscheinbare, schief stehende Stein war für die Menschen in vergangener Zeit von großer Bedeutung. Auch kündet er vom gelebten Glauben unserer Vorfahren. Wieviel Stürme, Kriege und Verwüstung hat dieser Stein wohl gesehen?“

    Jetzt also ist der Bildstock wieder ins Bewusstsein der Menschen gerückt worden, Tradition und Geschichte wurden lebendig. Der Witterdaer Männerchor „Cäcilia“ bereicherte die Veranstaltung mit Liedern über die Heimat. Chor und Gäste sangen gemeinsam den Kanon „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden.) Das Gedicht „Mein Friedrichsdorf“ wurde von Mia Teubner und Paula Utermark rezitiert. Beim gemütlichen Beisammensein war für das leibliche Wohl gesorgt. 

    * Wikipedia

    Autor und Fotos: B. Köhler 

    Bürgermeister Renè Heinemann

    Initiator Ewald Hesse referierte Historisches zu Rasdorf, Friedrichsdorf und dem Bildstock.

    Und wurde dabei vom langjährigen ehem. Gemeinderatsmitglied Christian Sturm unterstützt.

    Pfarrer Preiß: „Traditionen sind wie Laternen."

    Der Männerchor „Cäcilia"

    Chorleiter Holger Pless dirigierte den Kanon, gesungen vom Chor und dem Publikum.

    Erfolgreicher Projektabschluss: Ewald Hesse, Pfarrer Johannes Preiß, René Heinemann, Christian Sturm (v.l.)

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