Vorher – Nachher 
Und warum das in Elxleben nicht geht

Noch vor nicht allzu langer Zeit bot der Dorfgraben in Walschleben den – man könnte fast sagen  altbekannten – Anblick: Das Wasser, das er führte stand mehr als dass es floss, Schlamm hatte sich deshalb an den Rändern und im Grabenbett abgelagert. An den Gebäuden, die unmittelbar am Graben stehen, war der Wasserstand deshalb oftmals zu hoch. Heute bietet sich dem Betrachter ein sanft mäandrierendes, klares Wasser führendes Bächlein, bestanden mit blühenden Lilien und Gräsern.

2018 schon wurde das Problem in Angriff genommen, im Folgejahr und 2020 wird weiter an der sehenswerten Umgestaltung gearbeitet. 

Wir sind verabredet mit Bürgermeister Marcel Bube und Ingenieur Hendrik Voigtritter, der die Konzeption und Planung zu verantworten hat. Rund 400 Meter Graben sind in der Walschlebener Ortslage bereits saniert, 60.000 Euro hat das bislang gekostet, weitere 40.000 Euro sind für 2020 eingeplant.  

Und so wurde verfahren: Der abgelagerte Schlamm – Hendrik Voigtritter spricht von Sediment – wurde nicht vollständig aus dem Graben entfernt, sondern an den Ufern rechts und links eingesetzt um die Kosten der Entsorgung zu sparen. Es wurde hinter den Walzen, jedoch nicht über das derzeitige Sohlniveau eingebaut. Eine schmale, aber für die geringen Wassermengen, die der Dorfgraben führt, völlig ausreichende Fließrinne wurde so geschaffen. Eine schmale Fließrinne sorgt für einen höhere Geschwindigkeit des Wassers und das wiederum verhindert neue Ablagerungen.

Festigkeit erhält das Sediment durch sog. Stein- und Kokoswalzen. Das sind in Draht- bzw. Kokosgeflecht verpackte Steine. Diese Walzen wurden rechts und links der Fließrinne verbaut. Da das Gewässer keinen einheitliche Tiefe aufweist, wurden an besonders tiefen Stellen mehrere solcher Walzen übereinander eingesetzt. Die andernorts vielfach verwendeten Weidenfaschinen wollte Ingenieur Voigtritter nicht verbauen lassen, weil ihre Haltbarkeit deutlich geringer ist. Weiterhin lassen sie sich nicht überall einbauen, da teilweise bereits Sohlbefestigungen im Dorfgraben waren (Beton) und somit kein Faschinenbau möglich war. Steinwalzen haben zudem den Vorteil, das sie bei Hochwasser überströmt werden können, ohne das die Grabenanlage Schaden nähme. 

Die Kokoswalzen hingegen verrotten in absehbarer Zeit, was gewollt ist. Zunächst aber bilden sie die Basis, auf der Schwertlilie, Sumpfdotter- und Schwanenblume gedeihen, die dem Graben eingepflanzt wurden. Sie blühen zu unterschiedlichen Zeiten, so dass nahezu über die gesamte warme Jahreszeit hinweg Blüten den Lauf des Wassers säumen.

Die weiteren Abschnitte des Dorfgrabens sind in der Umgestaltung durchaus eine Herausforderung, der sich der Gemeinderat um Bürgermeister Marcel Bube stellt. 

Dass es in Walschleben solch einen sehenswerten Dorfgraben gibt, provozierte die Frage, warum dies in Elxleben nicht möglich sei. Hendrik Voigtritter begründet es mit dem geringen Wasserzufluss. Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Elxlebener Gräben nicht mehr aus der Mahlgera gespeist, sondern fangen nur noch das Regen- bzw. abgeleitete Oberflächenwasser und das Außengebietswasser der Klingerquelle auf. Einst war an der heute nicht mehr existierenden Lachmühle zwischen Kühnhausen und Elxleben der Beginn des Dorfgrabens, die Wehrschwelle ist heute noch im Wasser zu sehen. Früher konnte hier der Wasserzufluss und damit der Wasserstand bzw. -durchfluss des Dorfgrabens reguliert werden. Später wurde diese Verbindung gekappt, erklärt Hendrik Voigtritter. 

In Walschleben hingegen kommt deutlich mehr Wasser in den Graben: Vom Hochwasserschutzgraben, vom Kalk- und vom Ringelgraben. Vereinfacht könnte man sagen, dass der Walschlebener Dorfgraben einfach mehr Wasser führt und deshalb eine solch attraktive Gewässergestaltung möglich ist. 

Autor: B. Köhler. Fotos: H. Voigtritter, B. Köhler

Vorher


Nachher