Abstand halten – nur ein Schüler an jedem Tisch

Das Beste aus der Situation gemacht
Engagiertes Pädagogenkollegium in Walschleben

Im August wird es kleine und kurze Einschulungsfeiern geben, getrennt nach Klassen. Die Lehrerinnen und Erzieherinnen freuen sich auf 76 Kinder in den ersten Klassen. So viele wie noch nie.

Die Grundschule Hans Christian Andersen in Walschleben hat während der Zeit der Kontaktbeschränkungen, Abstandsregelungen und endlos ausgefallener Unterrichtsstunden etwas geschafft, was in vielen anderen Schulen alles andere als selbstverständlich war. Das engagierte Pädagogenkollegium um Schulleiter Peter Seifert hat individuelle Methoden entwickelt, um den Kindern zum einen soviel Wissen wie möglich zu vertiefen und teils neu zu vermitteln, zum anderen ihnen Struktur und Rhythmus für die täglichen Abläufe zu geben.

Sieben Wochen ohne Unterricht im klassischen Sinne, in den ersten und zweiten Klassen sogar acht Wochen waren eine nie gekannte Herausforderung, auch wenn zwei Wochen davon Ferien waren. Die Eltern oftmals im Home-Office, hatten nicht nur ihren Job zu machen, sondern alle Mahlzeiten zuzubereiten und die Kinder zu beaufsichtigen – ein Spagat.

Neue Begriffe gibt es inzwischen, z.B. Präsenz- und Distanzunterricht. Letzteres galt es überhaupt erst einmal zu erfinden und dann vor allem zu organisieren. Und das bei Kindern, die z.T. gerade erst lesen und schreiben lernten, denen Verfahrenstechniken, wie man sich Lehrstoff auch selbständig erarbeiten kann, noch fremd sind.
Einen wichtigen Vorteil aber hatten die Grundschulpädagogen: Hier gilt noch nicht das Fachlehrerprinzip wie in Regelschule und Gymnasium, hier unterrichtet ein Lehrer seine Klasse in fast allen Fächern. Damit hat er den Überblick – sowohl über die Leistungen der Kinder als auch über das vertretbare Pensum an Aufgaben, das es für den Distanzunterricht jeweils auszuarbeiten galt. Das half, Über- und Unterforderungen der Kinder weitestgehend zu vermeiden. „Wir kennen unsere Schüler in verschiedenen Fächern, konzentrieren uns auf Deutsch, Mathe und Sachkunde und ab Klasse drei auch auf Englisch.“, fasst stellvertretende Schulleiterin Marion Lappe zusammen.

Für den schritt- bzw. tageweise wieder eingeführten Präsenzunterricht haben die Lehrer Gruppierungen vorgenommen, nach Leistungsstärke der Schüler oder auch nach ihren Wohnorten, manchmal gar nach der Struktur der Fächer. Das haben die Pädagogen frei entscheiden können. Und es gab viele positive Rückmeldungen von den Eltern. Kleine Lerngruppen ermöglichen ein intensiveres Eingehen auf jedes einzelne Kind.

Es gab und gibt viele Herausforderungen. Nicht alle Haushalte haben Internetzugang, eine Mailadresse, nicht jeder kann Dokumente ausdrucken. Hier agierten die Lehrer kurzerhand als Kuriere und warfen die Aufgaben in die Briefkästen ihrer Schüler ein. Die Eltern wurden durch die Pädagogen par Mail und Telefon kontaktiert. Und das zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten, je nach Arbeitsalltag der Eltern. Manche Eltern haben Gruppen gebildet unter der Ägide der Elternsprecher, um sich mit Lehrern und Erziehern abzustimmen, andere agierten ganz individuell.

Die Lehrer sind, auch wenn sie der sog. Hochrisikogruppe aus Altersgründen angehörten, zu ihrer Arbeit angetreten. Nur einer schwangeren Pädagogin war das Erscheinen untersagt. Neben den Ausarbeitungen für den Distanzunterricht, waren Präsenzunterricht und Notbetreuung zu absolvieren. Weil die Gruppen kleiner waren, bedeutete dies einen nicht unerheblichen Mehraufwand.

Und was empfanden die Kinder? Sie haben sich auf die Schule gefreut. Die meisten von ihnen haben ihre Aufgaben zu Hause hervorragend bewältigt. Die sozialen Kontakte zu ihren Mitschülern haben ihnen gefehlt. Von einer zweimonatigen Pause kann also weder für die Kinder noch für ihre Lehrer und Erzieher die Rede sein.

Und was noch? Auch die Lehrer haben gelernt – mehr Unterricht auf digitale Medien aufzubauen zum Beispiel, eine Lern-App in Anwendung zu bringen, effiziente Lagebesprechungen statt Dienstberatungen. Jetzt gibt es Singen nur im Freien – nach Vorschrift mit drei Metern Abstand. Walschleben ist eine der wenigen Schulen im Landkreis, die eine Essensversorgung anbieten.

Kinder, Lehrer und Erzieher haben sich schnell in dieser außergewöhnlichen Situation zurechtgefunden. „Wir haben ein tolles Kollegium, das versucht, das Beste daraus zu machen.“ , sind sich Schulleiter Peter Seifert und seine Kollegin Marion Lappe einig.

Autor: B. Köhler.  Fotos: B. Köhler

Auf dem Schulhof halten sich immer nur die Kinder jeweils einer Klassenstufe auf. Die Pausen sind versetzt, auch das eine logistische Herausforderung.

Die Walschlebener Grundschule ist eine der wenigen, die eine Essensversorgung anbietet, auch hier gilt: Abstand halten. Die Markierungen auf dem Fußboden machen es den Kindern leicht.

Schulleiter Peter Seifert und Stellvertreterin Marion Lappe mit vorschriftsmäßigem Abstand auf dem Schulhof