In guten Schulen fühlen sich Schüler, Lehrer und Erzieher ‚sauwohl‘

Einige tausend gute Schulen gebe es in Deutschland, eröffnete am vergangenen Mittwoch Prof. Dr. Peter Struck seinen Vortrag vor Eltern, Lehrern und Interessierten zum Thema „Multimedial vernetzte Kinderzimmer, Smartphones, andere Hirnvernetzungen heutiger junger Menschen und ihr gewandeltes Lernen“. Peter Seifert, Schulleiter der Grundschule in Walschleben hatte die Einladung des Spezialisten in Sachen modernes Lernen initiiert und gemeinsam mit Bettina Würbach, Schulleiterin des Gebeseer Oskar-Gründler-Gymnasiums, die Veranstaltung vorbereitet. Mehr als 200 Gäste lauschten dem Vortrag in der Gebeseer Mehrzweckhalle.

In den genannten guten Schulen werden nicht nur Lesen, Schreiben, mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse vermittelt, sondern immer wichtiger werdende Fähigkeiten wie Selbständigkeit, Teamfähigkeit, Erkundungs- und Handlungsfähigkeit, Kreativität und vernetztes Handeln entwickelt und gefördert. Eine gute Schule erkenne man daran, dass sich Schüler, Lehrer und Erzieher ‚sauwohl‘ fühlen, führte Struck aus.

Und er ging auf die Besonderheiten ein in Sachen Lernen von Jungen wie von Mädchen, von Jugendlichen in der Pubertät, von den leistungsstarken wie den -schwächeren – letztlich von all den Individuen, die in einer Klasse sitzen. Und so individuell wie die Schülerpersönlichkeiten sind, so individuell sollte auch auf sie eingegangen werden.

Dennoch – einiges gilt für alle gleichermaßen: Zum Beispiel, dass Bewegung unverzichtbar ist für das Lernen. Also nicht nur für die Ertüchtigung des Körpers, sondern ihre Auswirkung auf das Gehirn. Das nämlich wird erst durch Bewegung ausreichend mit Sauerstoff versorgt und ist praktisch im Tagesablauf der Kinder zu verankern. Zweimal Schulsport die Woche reiche nicht aus, so Struck. Die Bewegung müsse auch in der Pause, im Unterricht und in der Freizeit gefördert werden, um maximale Lernerfolge erreichen zu können.

Dass auch Theaterspielen von unschätzbarem Wert ist, betonte der Professor. Szenisches Gestalten im Unterricht bezeichnete er als „selbsthandelnden Wissenserwerb“, also Lernen durch eigenes Erleben. Selber zu artikulieren, helfe, sich rund 80 Prozent der Dinge einzuprägen, die man aufgenommen hat, etwas selber zu erklären, sogar 90 Prozent.

Dennoch brach Struck auch eine Lanze für den oft geschmähten Frontalunterricht. Er werde gebraucht für Einführungsstunden, für Anleitungen zum Handeln. Dann aber sollten die Kinder am besten selbständig bzw. mit Partner oder in der Gruppe Aufgaben lösen. Und damit dies auch Ergebnisse zeitigt, gibt es ein klares Reglement mit Zeitvorgabe, Nachweis und Kontrolle. Interessant auch, dass man tagsüber – so der Professor – eigentlich nichts lernt, sondern lediglich aufnimmt. Erst im Tiefschlaf verinnerlicht man die Informationen.

Die Digitalisierung ist längst bei den Kindern angekommen. Jetzt müssen Lehrer und Eltern die Kinder führen, um sie den richtigen Umgang mit dem Internet zu lehren. Dass es nicht selten die Kinder sind, die eher mit Smartphone, Tablet & Co. umgehen können, ist eine Herausforderung, der sich Schulen und Elternhäuser unbedingt stellen müssen. Die beiden gastgebenden Schulen jedenfalls stellen sich mit ihren Kollegien diesen und vielen weiteren Herausforderungen.

„Der Lehrerberuf ist mit einer der härtesten der Welt.“ – resümierte Professor Struck. Und man möchte ergänzen: …und der schönste.

Autor: B. Köhler  Foto: Grundschule Walschleben

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