Ingenieur Hendrik Voigtritter

“Land unter“ oder saniertes Grabensystem

Der Hochwasserschutz entlang der Gera ist ein komplexes Thema. Und so muss er auch in Angriff genommen werden. Seit Jahren bereits ringen die Gemeindeverwaltungen der nördlichen Gera-Aue um tragfähige Konzepte. Zuständig hierfür ist die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG). In diesem Zuge erhielt Walschleben in Höhe des Morgenberges eine neue Deichanlage. In Elxleben lassen die Lösungen noch auf sich warten.

Dessen ungeachtet lauert eine der großen Gefahren in den Ortslagen selbst. Das ist den Gemeindeverwaltungen bewusst und sie haben hierfür einen Gewässerentwicklungsplan erarbeitet. Das Hochwasser 2013 hat die Probleme deutlich zutage treten lassen: Es gibt einen Rückstau des von außen eindringenden Wassers in den Gräben, der s.g. Vorflut. Sie wurde einst angelegt, um Elxleben und Walschleben z.B. bei Starkregen zu entwässern. Jahrelang aber wurden diese Gräben nur unzureichend, mitunter auch gar nicht gepflegt und instand gehalten. Seit dem Hochwasser 2013 wurden nunmehr 2,5 Kilometer des Kalk- und des Ringelgrabens an der B4 in Ordnung gebracht. Ein Abschnitt des Dorfgrabens wird derzeit saniert.

Wir haben uns bereits im Frühjahr mit Ingenieur Hendrik Voigtritter getroffen und umfassende fachlich fundierte Informationen erhalten. Und so erfahren wir, dass – will man einen Graben sanieren – zunächst eine Grundräumung erforderlich ist, um Profile und eine Sohle herstellen zu können. Eine solche Reinigung wird dann notwendig, wenn sich das Gewässer aufgrund der starken Verlandung nicht mehr selber reinigen kann.

Einfach ausbaggern jedoch reicht nicht, sondern die Gewässer müssen ausgemuldet werden, zur Herstellung eines hydraulisch günstiges Abflussprofiles, um die Fließgeschwindigkeit des Wassers nicht zu reduzieren, was eine erneute Schlammablagerung zur Folge hätte. Diese Grundräumung allerdings schlägt oft mit hohen Kosten zu Buche, weil die Sedimente lediglich am unmittelbaren Grabenrand abgelagert werden dürfen, meist aber so viel und z.T. belastetes Material anfällt, dass es auf der Deponie entsorgt werden muss. Auf Felder darf es auch nur dann aufgebracht werden, wenn die strengen gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Denn sollten Schwermetalle – oft durch unzulässige Einleitungen – in den Sedimenten enthalten sein, kumulieren sich diese im Boden und gelangen über die Nutzpflanzen schließlich in den Nahrungskreislauf. Die Entsorgung solcher Materialien muss bis zu 50 Euro je Kubikmeter angesetzt werden.

Ist diese Grundberäumung sensibel erfolgt, muss die gewässertypische Vegetation so gefördert werden, dass das Grabensystem durch die Pflanzen selbstreinigend wird. Die Vegetation dient dabei als natürlicher Strömungslenker. Typische heimische Arten sind z. B. Berle und Brunnenkresse. Diese Pflanzen dienen gleichzeitig als Habitatpflanze für streng geschützte Libellenarten. Die darüber hinaus gehende Uferpflege sollte nur außerhalb der Brutzeit der Vögel erfolgen.

Die Sanierung der Gräben wird Schritt für Schritt fortgesetzt, in der Ortslage Elxleben widmet man sich gerade dem Dorfgrabenabschnitt vom Sportplatz bis zur Schmiede. Sind Gräben lange trocken, lagern sich vermehrt Sedimente ab. Und nicht nur das: Im Elxlebener Dorfgraben fanden sich nicht unerhebliche Mengen illegal abgelagerten Bauschuttes.

Für den Ort wäre eine attraktive Gestaltung des Gewässers erstrebenswert. In den Gewässerentwicklungsplan ist dies als Option aufgenommen worden. Fraglich ist jedoch die Finanzierung und die Zulassung durch die zuständige Wasserbehörde in Sömmerda.

„Die Funktionstüchtigkeit der Vorflut muss auch im Außenbereich der Ortslagen erhalten werden.“, dafür tritt Hendrik Voigtritter vehement ein. Denn das Wasser von der Fahner Höhe kommt über den Klinger- und Spindelgraben immer in der Ortslage Elxleben an.

Nicht nur die hydraulischen, auch die geologischen Bedingungen sind relevant für ein funktionierendes System. Insbesondere der in Richtung Witterda anzutreffende Heldburggips – im Übrigen kein Kalk, wie landläufig angenommen – wäscht sich aus. Die Folge sind dann Wasserversinkungen (Karst) mit Grundwasseraustritten an so genannten Stauern. Kann ansteigendes Grundwasser nicht schnell genug über das Grabensystem abfließen, kommt, es zu großen Nassflächen auf den Feldern und ggf. auch im Ort.

Das gilt es zu vermeiden und zu hoffen bleibt, dass die Maßnahmen schnell genug vorangetrieben werden können, so lange uns die Natur dazu Zeit gibt.

„Gewässerunterhaltung ist für alle wichtig. Jeder Anlieger sollte aufmerksam sein und Äste und kleineres Treibgut entnehmen, Tiere nicht die Ufer zertreten lassen und auch keine organischen Abfälle in die Gewässer entsorgen.“, appelliert Hendrik Voigtritter.

Autor: B. Köhler Fotos: B. Köhler, H. Voigtritter, S. Forberg

 

 

Müll und Unrat behindern den Wasserfluss. 

 

Schlammablagerungen wegen zu geringer Fließgeschwindigkeit des Wassers. 

 

 

 

 

Von Tieren zertrampelte Ufer, Schlamm sinkt in die Gewässer ein. 

 

 

Gut fließendes Gewässer, Pflanzen halten das Wasser sauber. 

 

Hier ist der Graben ausgeweitet, das Wasser fließt nicht ausreichend, Sedimente – also Schlamm – lagert sich an der Sohle ab. 

 

Diese Weihnachtbaumentsorgung trägt erheblich dazu bei, den Fluss des Wassers zu behindern. 

 

 

 

 

 

Überspülte Flächen nach Starkregen

 

 


 

Dorfgraben in Elxleben

 

 

 

 

 

 

 

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